„Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“

Ortsverbandsvorstand VS

Anlässlich des 15. Jahrestages der Dreifachkatastrophe von Fukushima gedenkt und mahnt der Ortsverbandsvorstand Villingen-Schwenningen von Bündnis90/Die Grünen.

MEINUNG

Während die Ursachen des Erdbebens und der Flutwelle natürlichen Ursprungs sind, sind die Kernschmelzen in den drei Reaktoren allein menschlichem Handeln zuzuschreiben.

Dabei sind die Risiken für alle Atomkraftwerke weltweit vielfältig und stets mit einem unkalkulierbaren Restrisiko verbunden: Neben Erdbeben und Überschwemmungen bedrohen Wassermangel zur Kühlung, Kriegshandlungen wie im größten AKW Europas in Saporischschja, Sabotage und Terrorangriffe bis hin zu Materialermüdungen und menschlichem Versagen unseren Lebensraum und unsere Gesundheit.

Ohne staatliche Subventionierung sind Atomkraftwerke auch nicht wirtschaftlich zu betreiben. Allein die materiellen Schäden von Fukushima werden mit 190 Milliarden US-Dollar beziffert, die menschlichen Schicksale durch Krankheit oder Heimatverlust; die volkswirtschaftlichen und Umweltschäden sind dort noch gar nicht eingepreist. Weitere Risiken bestehen in den Lieferketten von angereichertem Uran und Plutonium, von der Mine über die Aufbereitung bis zur ungelösten Entsorgung.

Die ältesten Reaktoren der Welt in Leibstadt und Beznau in der Schweiz stehen im Grenzgebiet zu Deutschland, die ursprünglich geplante Laufzeit von 40 Jahren ist bereits überschritten. Dennoch wird der Betrieb fortgesetzt und gefährdet auch unser Leben im Schwarzwald-Baar-Kreis. Auch der derzeitige Neubau von sechs Reaktoren bis 2038 in Frankreich rettet dort die Atomkraft nicht, bei 50 museumsreifen Anlagen über 40 Jahren. Dass nun kleine, modulare Reaktoren (SMR) mit all den gleichen Risiken all unsere Energieprobleme lösen sollen ist nicht plausibel.

Dabei haben wir doch inzwischen die technischen und wirtschaftlich sinnvollen Alternativen. In den vergangenen 25 Jahren wurden in Deutschland trotz manchem politischem Bremsmanöver die Erneuerbaren von 3% auf 60% gesteigert. Selbst diesen Februar lag der Anteil der Erneuerbaren bei 50%. An der Strombörse sind Wind- und Sonnenstrom längst die günstigsten, Gas- und Kohlestrom die teuersten am Markt. Der Bau von Stromspeichern nimmt gerade Fahrt auf. Vielleicht ist es nun an der Zeit, die gleichhohe Vergütung aller Stromproduzenten (Merit-Order-Prinzip) vom teuersten, fossilen Anbieter zu entkoppeln. 

Wie viele Reaktorkatastrophen wie in Tschernobyl oder Fukushima sind wir weiterhin bereit, zu akzeptieren, auch wenn sie möglicherweise das nächste Mal direkt vor unserer Haustür geschehen? Lernen wir aus der Vergangenheit für eine bessere Zukunft, denn:

„Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt.“

Olaf Wuttge-Greimel
Bernd Hoeck | Karin Zucker

Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln – ähnlich wie Leserbriefe – nicht unbedingt die Meinung des Kreisverbandes wieder, sondern sind als individuelle Beiträge zum Diskurs zu verstehen.