Zum Versuch von Teilen der CDU den Grünen eine Schmutzkampagne im Wahlkampf zu unterstellen hat unser Mitglied und ehemalige Stadträtin Elif Cangür folgenden Leserbrief an die Lokalpresse gesendet.
MEINUNG
„Die Scham muss die Seite wechseln.“ Dieser Satz von Gisèle Pelicot kommt mir in den Sinn, wenn ich die aktuelle Debatte verfolge. Was die CDU derzeit als „schmutzige Kampagne“ bezeichnet, wirkt vielmehr wie der Versuch, von eigenen Fehlern abzulenken.
Statt den Vorgang offen einzuordnen und Verantwortung zu übernehmen, wird die Schuld anderen zugeschoben – insbesondere den Grünen. Dabei wäre es deutlich überzeugender gewesen, den Fehler klar zu benennen, so wie es Manuel Hagel getan hat. Fehler können passieren. Entscheidend ist, wie man damit umgeht.
Problematisch wird es jedoch, wenn – wie im Fall von Innenminister Thomas Strobl – eine junge Abgeordnete dafür verantwortlich gemacht wird, dass sie auf etwas aufmerksam gemacht hat, das bereits öffentlich zugänglich war. Das betreffende Video war frei verfügbar. Auch die CDU hätte selbst zur Aufklärung beitragen können.
Zoe Mayer hat nichts veröffentlicht, was nicht ohnehin existierte. Sie hat lediglich auf einen Inhalt hingewiesen, der bereits öffentlich war. In einer demokratischen Öffentlichkeit sollte es selbstverständlich sein, dass problematische Aussagen benannt und diskutiert werden können.
Wer Fehler macht, sollte dafür geradestehen. Die Verantwortung darf nicht auf diejenigen verschoben werden, die Missstände ansprechen. Und vor allem stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wollen wir wirklich zulassen, dass sexistische Äußerungen als Nebensache behandelt oder sogar salonfähig werden?
Gerade deshalb gilt der eingangs zitierte Satz: Die Scham muss die Seite wechseln.
Elif Cangür
Bernd Hoeck | Karin Zucker
Hinweis: Meinungsbeiträge spiegeln – ähnlich wie Leserbriefe – nicht unbedingt die Meinung des Kreisverbandes wieder, sondern sind als individuelle Beiträge zum Diskurs zu verstehen.